Gedenken und Erinnern beginnt in unserer Nachbarschaft

Zum siebten Monat des Gedenkens in Hamburg-Eimsbüttel April/Mai 2020

Erinnern heißt kämpfen

"ABGESAGT!" – Oder geht da doch was?

Auch uns hat Corona voll erwischt. Broschüren, Plakate, Sticker für den 7. Monat des Gedenkens und die Marathonlesung zur Erinnerung an die Bücherverbrennung – alles war fertig, geplant, gedruckt und (fast) ausgeliefert. Dann mussten alle Veranstaltungen bis Ende April abgesagt werden. Die Auschwitz-Überlebende Esther Bejarano, (95), informiert sich regelmäßig über die Entwicklung und sagt in diesen Corona-Zeiten: "Wir nehmen Rücksicht und gefährden keine anderen Leute."

Stolpersteinputzen geht immer! Und digitales Lesen auch.

Für einige Veranstaltungen im Mai bleibt noch ein kleines bisschen Hoffnung, besonders für Stadtrundgänge oder auch Lesungen unter freiem Himmel – wenn die Abstandsgebote etc. strikt eingehalten werden können. Da sind dann die jeweiligen Veranstaltenden in der Pflicht. Wir bleiben zuversichtlich.

Eine vorbereitende Lesung hat am 21. April auf dem Campus im Freien schon stattgefunden, alle Regeln wurden eingehalten.

Vor 75 Jahren wurde Nazi-Deutschland durch die Alliierten besiegt. Für diejenigen, die den faschistischen Terror überlebten, war und ist der 8. Mai 1945 der Tag der Befreiung – der Befreiung von Ausgrenzung und Drangsalierung, von Vernichtungskrieg und systematischer Ermordung derer, die aus "rassischen", politischen und anderen Gründen nicht in die "Volksgemeinschaft" passten. Ihr Andenken wollen wir bewahren. Wir rücken ins Blickfeld, was passieren kann, wenn weggesehen wird, wenn Feinde einer weltoffenen Gesellschaft immer mehr Zustimmung finden.

Lange Zeit galt ein breit getragener gesellschaftlicher Grundkonsens: Nie wieder Krieg – nie wieder Faschismus! In den letzten Jahren erleben wir zunehmend, wie dieser Konsens ins Wanken gerät: Die Gefahr rechten Terrors wird kleingeredet, rechte Argumente finden bis weit in die sogenannte gesellschaftliche "Mitte" hinein Eingang in öffentliche Diskussionen, verdeckt oder offen wird in der Politik mit Rechtsradikalen zusammenge-arbeitet – mit fatalen Konsequenzen. Rechtsradikale fühlen sich bestätigt und wagen sich mehr und mehr in die Offensive, fassungslos und voller Zorn stehen wir vor den rechtsterroristischen Gewalttaten der letzten Zeit. Die Veranstaltungen des Monats des Gedenkens zeigen unsere Verantwortung auf: Damit nicht wieder geschieht, was einst geschah. Erinnern heißt kämpfen!

Der Monat des Gedenkens 2020 sollte wieder beginnen mit Veranstaltungen zum Gedenken an die Kinder vom Bullenhuser Damm. Am 20. April 1945 wurden im Außenlager "Bullenhuser Damm" des KZ Neuengamme 20 jüdische Kinder, ihre Betreuer und 24 sowjetische Kriegsgefangene ermordet, um verbrecherische pseudome-dizinische Versuche zu vertuschen. Seit 41 Jahren wird ihrer Leidensgeschichte gedacht. 1991 beschloss der Ortsausschuss Hamburg-Lokstedt, auch die Straßen im Neubaugebiet Schnelsen-Burgwedel nach den ermor-deten Kindern vom Bullenhuser Damm zu benennen. Auf dem Roman-Zeller-Platz, benannt nach einem der ermordeten 20 Kinder, gedenken Schüler*innen immer am 20. April der Kinder. Veranstaltungen rund um den 8. Mai waren geplant, am 14. Mai wieder Schüler*innen und viele Hamburger*innen zur Erinnerung an die Bücherverbrennung 1933 aus den Büchern verfolgter und verbannter Autor*innen – in der 20.Marathonlesung. Die Geschichtswerkstatt Eimsbüttel, das Institut für die Geschichte der deutschen Juden, die Israelitische Töch-terschule, die Kirchengemeinden Eimsbüttel, die Fachschaftsräte-Konferenz der Universität, die VVN – BdA, der Freundeskreis Neuengamme, Initiativen und Buchhandlungen aus Eimsbüttel: alle hatten eingeladen zu Vorträgen, Lesungen, Stadtrundgängen, Stolpersteinputzaktionen und Synagogenführungen.

Stolpersteinputzen geht immer! Und digitales Lesen auch.

Dann erreichte die Pandemie auch Hamburg. Die meisten Veranstaltungen müssen ausfallen. Esther Bejarano (95), die Auschwitz-Überlebende, informiert sich regelmäßig über die Entwicklung und sagt in diesen Corona-Zeiten: "Wir nehmen Rücksicht und gefährden keine anderen Leute."

Aber vielleicht können im Mai noch einige Veranstaltungen stattfinden. Wir bleiben zuversichtlich. Auf unserer Webseite informieren wir nach unseren Möglichkeiten.

Die Redaktion AG Monat des Gedenkens in Eimsbüttel
Heidburg Behling, Dr. Erika Hirsch, Helga Obens, Oliver Vornfeld

Die Arbeitsgemeinschaft „Monat des Gedenkens in Hamburg-Eimsbüttel“

Mehr unter: www.gedenken-eimsbuettel.de
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mobil:          0175/937 44 46 (Helga Obens)

   

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