Im Mai 1933 verbrannten NS-Studentenschaften am Kaiser-Friedrich-Ufer in Hamburg-Eimsbüttel ihnen unliebsame Bücher unter der Parole „Wider den undeutschen Geist“. Seit den frühen 1980ern setzt sich ein ehrenamtlicher Arbeitskreis für einen Erinnerungsort genau dort ein. 1985 wurde nach diesem öffentlichen Begehren auf Beschluss der Bezirksversammlung von dem Künstler Wolfgang Finck ein Mahnmal zur Erinnerung an die Bücherverbrennung entworfen und errichtet. Esther Bejarano, die Auschwitz-Überlebende, Peggy Parnass und Abi Wallenstein eröffneten 1985 den Platz der Bücherverbrennung.
Seitdem finden dort in jedem Jahr vielbesuchte Lesungen u.a. aus verbrannten Büchern statt, ein Treffpunkt für Holocaust-Überlebende mit jungen Menschen.

Ein vom Künstler geplanter Teil des Mahnmals sind sechs rotblättrige Bäume der Sorte Kirschpflaume (Prunus cerasifera), die im Abstand von etwa sieben Metern im Bogen vor der Denkmalsmauer mit den Gedenksteinen stehen. Sie wurden bei der Errichtung des Denkmals 1985, also vor über 40 Jahren gepflanzt und symbolisieren mit ihren roten Blättern das Feuer und mit ihrer Vitalität das widerständige Leben.
Nun sind diese Bäume Ende Februar dieses Jahres ohne Ankündigung gefällt worden.
Die Bäume waren gesund, das belegen die zurückgebliebenen Baumstümpfe. Die Fällaktion an der Goebenbrücke, um eine Trasse für eine Fernwärmeleitung zu schaffen, steht damit offensichtlich nicht in Verbindung. Zwischen der Trasse und dem Mahnmal befindet sich eine weitere Baumgruppe und ausreichend Abstand.
Gibt es Gründe für die Fällaktion? Anfragen bei der zuständigen Stelle >baumschutz@eimsbuettel.hamburg.de< und anderen Stellen blieben unbeantwortet.
Das Mahnmal-Ensemble, auch wenn es bisher nicht als Denkmal anerkannt ist, hat eine große kulturpolitische Bedeutung für Hamburgs Erinnerungskultur.
- Wir bitten bei der Klärung des Sachverhalts zu helfen.
- Wer hat den Kahlschlag veranlasst? Gibt es einen Beschluss dazu?
- War die Kulturbehörde informiert? Ist ein Ersatz vorgesehen?
Der Arbeitskreis bereitet aktuell die Erinnerungswochen und Veranstaltungen am Mahnmal für dieses Jahr vor.
Er fordert, dass
- das Mahnmal in seiner bisherigen Form wiederhergestellt wird, d.h. neue mehrjährige Bäume gepflanzt werden und
- das Mahnmal in die Denkmalsliste aufgenommen wird, damit es dauerhaft geschützt ist.
Helga Obens für den Arbeitskreis „Bücherverbrennung -nie wieder!“
Peter Mathews, Autor
(Die Unterzeichner gehörten seit 1981 zu den Initiatoren zur Errichtung des Mahnmals)
